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Sehr geehrte Damen und Herren,
mit einem Knall hat der August den globalen Anlegern einen gehörigen Schreck versetzt. Auslöser waren ein Kursrutsch beim japanischen Yen, der innerhalb von vier Wochen etwa 15% aufgewertet hat. Kaum vorstellbar, dass eine Entwicklung, die seit über einem Jahrzehnt läuft, in 4 Wochen abgearbeitet ist. Und dennoch haben die Aktienmärkte den Schock „ruck-zuck“ verdaut und teils neue Hochs generiert.
Und dies, obwohl wir vor einer saisonal unruhigen Zeit stehen. Statistisch sind September und Oktober durchaus anfällige Börsenmonate. Historisch liegen einige der größten Kursrückgänge in diesem Zeitraum. Ebenso ist die Unsicherheit und die damit verbundenen Kursschwankungen in diesem Zeitraum höher als im Rest des Jahres.
Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. So wollen Unternehmen oftmals im alten Geschäftsjahr unliebsame Entscheidungen hinter sich bringen, um dann bereinigt im neuen Jahr angreifen zu können. Aktuell sieht es bei den Autobauern, allen voran VW, danach aus. Diese negativen Nachrichten drücken auf die Stimmung und Kurse. Andererseits liegen viele Wahltermine in diesem Zeitfenster. Anfang November steht die global sehr wichtige US-Wahl an. Während Harris sich zuletzt für steigende Steuern ausgesprochen hat, lehnt Trump diese ab. Es bleibt Unsicherheit, wer nach der Wahl regiert.
Auch sonst gibt es genügend ungelöste Themen: Geopolitisch sind z.B. die Kriege in der Ukraine und in Nahost zu nennen. Aber auch finanzielle Themen sind zu bedenken: So sind in den letzten Jahren die Schuldenberge der großen Nationen, allen voran der USA, enorm angewachsen. Was, wenn der Dollar als Leitwährung in Frage gestellt wird? Auch hier können schnell Sorgen auftreten, selbst wenn man dies derzeit nicht vorhersehen kann oder will.
Für die Unternehmen ist Planbarkeit sowie die wirtschaftliche Entwicklung am bedeutendsten. Gerade in Deutschland zeigt sich, wie schwer es ist, ohne langfristig kalkulierbare Politik wirtschaften zu können. Impulse, diese Stagnation zu durchbrechen, sind jedoch leider derzeit nicht absehbar. Eine Entwicklung die auch in China zu beachten ist. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt bremst noch immer die Abarbeitung der Immobilienblase die wirtschaftliche Dynamik. Hinzu kommt der Handelsstreit mit den USA.
Andererseits liefern die USA, angetrieben von den enormen Subventionen des Inflation Reduction Acts, weiterhin solide Zahlen an Wirtschaftswachstum. Aktuellen Daten zufolge wächst die wirtschaftliche Leistung in den Vereinigten Staaten derzeit mit knapp über 2%. Sorgen bereiten hier lediglich die Daten vom Arbeitsmarkt, die eine Schwäche signalisieren, was auch in einzelnen Bereichen des Konsumverhaltens deutlich wird. Sorgen vor einer Rezession scheinen zwar übertrieben, sollten andererseits aber auch nicht unbeachtet bleiben.
Für die langfristige Kapitalanlage sind diese kurzfristigen Entwicklungen jedoch eher unbedeutend. Entscheidend sind Zinsen, Gewinne und Bewertungen. Die Anlage-Zinsen liegen in Deutschland im Groben wieder unter 3%, bei bonitätsmäßig einwandfreien Bundesanleihen sind für 10 Jahre lediglich 2,2% p.a. erzielbar. Mittel- bis längerfristige Zinsanlagen sind aus unserer Sicht weiterhin wenig attraktiv. Bei Standardaktien aus den großen Indizes sind die Bewertungen trotzt der gestiegenen Kurse deutlich vorteilhafter. So weisen europäische Blue Chip Aktien ein KGV von 13 aus, was einer Gewinnrendite von über 7,5% entspricht. Die durchschnittliche Dividendenrendite in Euro Stoxx 50 liegt über 3%.
Qualitativ hochwertige Aktien, mit soliden Gewinnen und starken Marktpositionen sowie langfristigen Geschäftsmodellen – die besonders bei größeren Blue Chip Unternehmen zu finden sind – sind daher langfristig weiter sehr aussichtsreich. Vorsicht sollten Anleger bei hoch bewerteten und extrem gut gelaufenen Aktien walten lassen. Eine breite Streuung und Diversifikation hilft hier bei der Risikoreduktion, genauso wie ein aktives Risikomanagement.
Herzlichst Ihr
Robert Beer
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